Immer wieder als ich bei diesem Platz vorbei ging, freute ich mich beim Wachsen der Königskerze zuzuschauen. Erst habe ich eine entdeckt, dann eine zweite und beim genaueren Betrachten waren dort einige, mindestens fünf Stück habe ich gezählt. Die Königskerze ist eine besondere Pflanze für mich. Nicht nur wegen ihrer Heilwirkung gegen Husten, sondern auch als „Wunderwuzzi“ (Feuer machen). Ihre Blätter sind super weich und angenehm zum Anfassen, das imposante Aussehen hat mich in ihren Bann gezogen. Eines Tages ging ich wieder an den Kerzen vorbei, nur diesmal waren sie weg. Der Rasen rundherum war gemäht und auch die schon gut 50 cm hohen Königskerzen. Wie kann man nur diese wunderbaren, schön anzuschauenden, heilenden Pflanzen abmähen? Ich konnte es nicht verstehen… Wenige Tage danach kam Sonnentau vom Telefonieren zurück und ich sollte sie begleiten. Wir gingen ein Stück und dort standen drei dieser wunderschönen Kreaturen, die die große Kraft erschaffen hat. Ich hab mich total gefreut. Kurze Zeit darauf habe ich zwei weitere in meiner Nähe entdeckt und dann wieder drei und dann wieder eine. Ich hab mich immer nur auf diese fünf Stück konzentriert, dass ich alle anderen um mich herum nicht gesehen habe. Aber als diese weg waren, kamen die anderen für mich zum Vorschein. Nur weil ich sie nicht gesehen habe, sie waren aber trotzdem da. Ist euch so was auch schon mal passiert? Vielen Dank allen Königskerzen die sich danach zeigten und noch zeigen werden, weil ich nun einfach meine Augen offen halte. Mittlerweile hat sich auch eine bei uns im Garten angesiedelt. Ich freue mich darauf, wenn es bald mehr werden.
Good Bye Family Yearlong 2012/13
Aaniin!
Das war es also. Ich kann es noch immer nicht glauben, es fuehlt sich so unreal an. Ich kann mich noch genau an den ersten Tag erinnern, als ich in Chicago ankam und mir der Bus nach Milwaukee vor der Nase davon fuhr und ich 1 1/2 Stunden auf den naechsten Bus warten musste. So begann das Abenteuer und der Start auf dem Weg zu Teaching Drum. Nun 11 Monate spaeter ist alles vorbei. 11 Monate in der Wildnis verbracht, 11 Monate abgeschieden in den Woods, 11 Monate manchmal recht einfach und manchmal sehr schwierig, 11 Monate ohne wirklichen Kontakt zur Aussenwelt, 11 Monate das selbe essen, 11 Monate die selben Leute, 11 Monate Heilung!!! Es war das Beste was ich jemals gemacht habe, die beste Entscheidung des Lebens. Ich habe gelacht, geweint, geschwitzt, geblutet. Ich war gluecklich, traurig, veraergert und…die Liste kann wohl noch einige Saetze fortgefuehrt werden. Am Ende zaehlt allerdings nur noch eines, ich habe es geschafft. Ich kann nach Hause fahren… ob ich will oder nicht.
Der letzte Monat hatte es noch mal richtig in Sich. Der Schnee kam dieses Jahr spaet, aber er kam und wie. Es hat tagelang geschneit und somit war endlich genug Schnee vorhanden. Ich war Anfangs nicht so begeistert, der Winter war schon lange und ich wollte noch einige Haeute gerben. Doch plante Mutter Erde was anderes fuer mich. Mit 5 anderen Clanmitgliedern haben wir uns einen schoenen, feinen Platz gesucht und Schneehuetten gebaut. In 3 Tagen stand meine Huette und war ausgehoehlt. Ich hab mir eine kleine, enge, jedoch gemuetliche Lodge gebaut, ich konnte mich gerade so ausstrecken, sitzen war jedoch schon wieder Fehlanzeige. Das war auch nicht notwendig hatte genug Platz mich im liegen an und auszuziehen und ich hatte es super warm in der Lodge. Auch als es wieder sehr kalt geworden ist, die Lodge war angenehm warm, ich war vor Regen, Schnee und Sturm geschuetzt. Da allerdings der Rest des Clans ebenfalls in ein Snowcamp gezogen ist, war ungute Luft angesagt. Wir haben es genossen in der kleinen Gruppe und vieles komplett anders erlebt. Knapp einen Moon waren wir abgeschieden, zum Ende sind wir dann doch ins Family Camp gezogen um die letzten Tage gemeinsam zu verbringen.
“Food” war wiedermal ein grosses Thema zum Schluss, es ging soweit, das wir oefter mal mehr assen, als wir sollten, so waren wir fast 4 Tage ohne Essen. 2 Tage haben wir komplett gefastet, als dann endlich wieder ein Fooddrop kam. Wir haben daraus sehr viel gelernt und das sollte uns nicht noch einmal passieren. Lektion gelernt.
Am Tag nachdem ich die Lodge fertig gestellt hatte, habe ich mir tief in den rechten Daumen geschnitten. Ich hab den Daumen 2x taeglich geharzt, damit er sich nicht entzuendet, das hat wunderbar geklappt, hatte allerdings auch den Nachteil, das ich keine Handschuhe tragen konnte. Im Winter ist das ein bisserl doof, so hatte ich staendig kalte Finger. 14 Tage lang hat es gedauert, dann war es endlich soweit. Juhu ich kann wieder Handschuhe tragen, juhu es ist endlich wieder warm. Ich werde eine schoene Narbe davon tragen, mittlerweile ist der Finger wieder ansehnlich.
Da ich weder Lust hatte, noch aufgrund des Fingers eine neue Lodge gebaut habe, habe ich im freien unter Baeumen geschlafen. Das war super, hab ich auch sehr genossen, bis zum morgen des vorletzten Tages, als ich mit Regen aufgewacht bin. Es hat nicht lange geregnet, denn es hat bald zu schneien angefangen, da es kuehler wurde und als es zu schneien aufgehoert hat, weil es so kalt war, kam das Eis. Die Decken und der Schlafsack wurden schoen nass und fuer die Nacht auch nicht mehr trocken. Trotzdem war es warm in der darauffolgenden Nacht. Vorletzter Tag, also war ein Feast angesagt und dann ein so bescheidenes Wetter. Die Guides wollten nicht im Schnee sitzen, also haben sie uns Tarps gebracht. Als wir dann endlich das Tarp gespannt hatten, hat es zu schneien aufgehoert und auch nicht wieder begonnen. Wir haben lange gefeiert und am darauffolgenden Tag sind wir nach Nad’mad marschiert. Die Seen waren noch immer total gefroren, somit hatten wir einen raschen und einfachen Marsch, der Schnee reicht noch immer bis zu den Knien.
Seit gestern bin ich also zurück in der Zivilisation. Habe meine erste Dusche seit April 2012 genommen. Bin in die Stadt gefahren und hab ein Riesensandwich bei Subway gegessen. Das Maedel dachte wir Scherzen, hat sogar Photos vom Sandwich genommen, weil noch nie jemand soviel gegessen hat. Nachdem wir das Sandwich verdrueckt haben, hatten wir noch immer Hunger. Ab zur Tankstelle und Suessigkeiten gekauft. Nun sitze ich wieder vorm Comp fuer meinen letzten Bericht.
Morgen gehts gen Westen, gemeinsam mit Ash fahre ich mit dem Zug nach Reno, NV, von dort weiter nach Kalifornien und an den Pazifik. Dort haengen wir ein paar Tage ab und dann gehts nach Washington State, wo Ash wohnt. Gegen 22. April fliege ich zurueck nach Chicago. Dort schau ich mir ein Baseballgame an White Sox vs. Cleveland Indians. Am 26. April sitze ich im Flieger nach Europa um am 27. April um 08:35 Uhr in Wien Schwechat anzukommen, mein Flieger kommt aus Washington. Ich hoffe, den einen oder anderen anzutreffen, ich freue mich viele von euch bald wieder zu sehen. Fuer manche beginnt die Reise, euch Beiden wuensche ich alles Gute und ein heilendes Jahr.
Ich kann nur betonen, ich bin mehr als gluecklich diesen Schritt getan zu haben.
Vielen Dank fuer die vielen Rueckmeldungen,
vielen Dank fuers lesen der Berichte und
vielen Dank, dass ihr fuer mich da seid!
Liebe Gruesse aus dem winterlichen Wisconsin
gewoehnt euch an meinen Namen, ich habe mich daran gewoehnt und liebe ihn.
Bis bald
Ma’iingan
Die Zeit geht große Schritte
Aaniin,
die Zeit geht grosse Schritte, so ist wieder ein Moon vergangen, der wohl kaelteste mit bis zu knackigen -28 Grad Celsius. Wir durften uns aber auch auf Plusgrade freuen, so ging das Thermometer bis auf +2 Grad Celsius. Dadurch kamen schon Fruehlingsgefuehle auf, die zwar nicht lange angehalten haben, aber der naechste Fruehling kommt bestimmt. Was hat sich also in den letzten Tagen so getan…
Was kann es schlimmeres passieren, wenn man staendig draussen unterwegs ist und mit Kaelte und Schnee rechnet, richtig, Regen. Wir hatten einen Sun dabei wo wir mit Regen beglueckt worden sind. Die Lodges sind fuer Winter und Schnee und Eis ausgelegt, somit tropfte es munter in unsere Betten. Ich darf mich gluecklich schaetzen und bin tropffrei geblieben, zumindest im Bett. Was erwartet man und hofft man am naechsten Tag, richtig, Frost, somit war der Trail wieder eine richtige Rutschbahn, den Kids hats gefallen, wir aelteren bangten um unsere Knochen, das diese nicht gebrochen werden. Was zum Glueck auch ausblieb, es reicht wenn sich ein Clanmitglieg 2 mal die Hand bricht in diesem Turn of the season. Aber auch der Regen geht vorbei und bringt Schnee und davon eine Menge, normalerweise ist Dezember, Anfang Jaenner die Schneemonate, dieses Jahr ist alles anders, alles kommt spaet oder gar nicht, in diesem Fall spaet. Kniehoch erfreuen wir uns durch den Schnee zu gehen und Holz zu sammeln, welches unter dem Schnee liegt. Aber ein Clan braucht Feuer und Waerme, somit nimmt man das in Kauf.
Man ist allerdings nicht nur mit Holzsammeln und Warmbleiben beschaeftigt, es wird auch brav gecraftet. So habe ich endlich meine ersten beiden Haeute gesoftet, welche sehr gut geworden sind und die naechsten warten schon im Eiseiwasser. Das wird zwar fuer kurze Zeit unangenehm kalt, aber man gewoehnt sich ja an fast alles. Wenn nicht gecraftet wird, wird geredet. So rief ich den Clan zusammen um ueber mich zu reden, wie es mir geht und was ich so fuehle. Einige Moons hab ich gewartet, aber wer in der Wildnis ueberleben will und nicht frueher nach Hause fahren will, fragt den Clan um Hilfe. Gesagt, getan, geheilt… Was vom Clan kam war ueberwaeltigend, da es nicht nur mir so gegangen ist, viele im Clan hatten Probleme sich zu motivieren, es war eine Erleichterung fuer den ganzen Clan. Seit meinem Sharing wurden 4 weitere Sharing einberufen von Clanmitgliedern. Wir sind zusammen gewachsen und eine Familie geworden, hat zwar 10 Moons gedauert, aber manche Sachen benoetigen eben diese Zeit, was sehr wichtig und verdammt schoen ist.
Was ebenfalls sehr schoen ist, um es zu untertreiben, wenn man nach 42 Suns die erste Frucht wieder ist. 42 Suns habe ich ohne jeglichen Zucker gelebt, dann die erste Clementine in den Mund zu fuehren, ist ein atemberaubendes Gefuehl. Zuerst hat sich das Gesicht gewehrt, so hatte es den Anschein, wie es sich verzogen hat, aber dann kam der Geschmack des Zuckers, ueberwaeltigend kann ich einfach nur sagen, die beste Clementine meines Lebens!!
Mit Zucker und Lebensfreude und Abenteuerlust sind 12 wackere Clanmitglieder ausgezogen um Woelfe zu finden, oder zumindest dessen Spuren. Mit ein klein wenig Essen beladen, sind wir losmarschiert, einfach mal in eine Richtung und schauen was passiert. Am ersten Tag keine Spuren, so liefen Scouts aus in alle Richtungen um Spuren zu finden, als einer dieser Scouts lief ich bis zur Dunkelheit, vergebens was zumindest Wolfsspuren anbelangt. Ich konnte mich jedoch an einem Porkypine erfreuen, welches im Baum sass und an einen wunderschoenen Ahornwald. Muede aber durstig nach Wolfsspuren gings in den Schlafsack unter freiem Himmel, wunderschoen. Der 2. Tag verlief aehnlich wie der erste, den ganzen Tag marschiert, wieder in eine beliebige Richtung. Wieder keine Spuren, also wieder Scouts gefragt. Dieses mal war allersings etwas anders, als ich zurueck ins Camp kam hoerte ich die Nachricht, wir haben Spuren gefunden, einen Sun alt. Wieder unter klarem Himmel genaechtigt und gewundert, wie warm es doch sein kann, wenn man sich daran gewoehnt. Am naechsten Tag also den Woelfen gefolgt. Die ahnten wohl, das wir sie tracken wollen und spielten Katz und Maus mit uns. Sie liefen in ein dichtes Waldstueck und dort liefen sie Kreise. Ich wollte das Spiel nicht mehr mitspielen und hab mich auf den Rueckweg ins Camp gemacht, war ein langer Marsch, meine Beine waren es nicht mehr gewohnt, 3 Suns lang rumzulaufen. Am naechsten Tag, als der Rest zurueck kam, hoerte ich dann, die Woelfe liefen dort die ganze Zeit und spielten weiter Kreisspiele. Es war ein Abenteuer und eine Art Jagd die Spuren zu finden, allerdings als die Spuren gefunden war, verflog das Abenteuer.
Dafuer folgt bald ein neues… das Ende naht und somit sind schon die ersten Gedanken erlaubt, was passiert nach dem Jahr, vor allem die letzten 3 Wochen, in denen ich mich in den USA aufhalten darf. Kalifornien ruft und ich folge dem Ruf. Leider kann ich Mala Spotted Eagle in Oregon nicht besuchen, da er sich zu dieser Zeit in Europa aufhaelt, aber ich werde andere Leute kennen lernen und treffen.
Dies ist es also, das letzte Mail bevor mein Jahr in der Wildnis endet. Beim naechsten mal bin ich ‘frei’ oder besser gesagt, die Freiheit endet und ich muss wieder schauen wie ich in der Zivilisation ueberleben soll. Zum Glueck hat man Freunde zu Hause, die auf einem warten und ein neues Abenteuer beginnt.
Bis bald und Meegwetch fuers lesen.
In Liebe
Ma’iingan