Die Zeit geht große Schritte

Aaniin,
die Zeit geht grosse Schritte, so ist wieder ein Moon vergangen, der wohl kaelteste mit bis zu knackigen -28 Grad Celsius. Wir durften uns aber auch auf Plusgrade freuen, so ging das Thermometer bis auf +2 Grad Celsius. Dadurch kamen schon Fruehlingsgefuehle auf, die zwar nicht lange angehalten haben, aber der naechste Fruehling kommt bestimmt. Was hat sich also in den letzten Tagen so getan…

Was kann es schlimmeres passieren, wenn man staendig draussen unterwegs ist und mit Kaelte und Schnee rechnet, richtig, Regen. Wir hatten einen Sun dabei wo wir mit Regen beglueckt worden sind. Die Lodges sind fuer Winter und Schnee und Eis ausgelegt, somit tropfte es munter in unsere Betten. Ich darf mich gluecklich schaetzen und bin tropffrei geblieben, zumindest im Bett. Was erwartet man und hofft man am naechsten Tag, richtig, Frost, somit war der Trail wieder eine richtige Rutschbahn, den Kids hats gefallen, wir aelteren bangten um unsere Knochen, das diese nicht gebrochen werden. Was zum Glueck auch ausblieb, es reicht wenn sich ein Clanmitglieg 2 mal die Hand bricht in diesem Turn of the season. Aber auch der Regen geht vorbei und bringt Schnee und davon eine Menge, normalerweise ist Dezember, Anfang Jaenner die Schneemonate, dieses Jahr ist alles anders, alles kommt spaet oder gar nicht, in diesem Fall spaet. Kniehoch erfreuen wir uns durch den Schnee zu gehen und Holz zu sammeln, welches unter dem Schnee liegt. Aber ein Clan braucht Feuer und Waerme, somit nimmt man das in Kauf.

Man ist allerdings nicht nur mit Holzsammeln und Warmbleiben beschaeftigt, es wird auch brav gecraftet. So habe ich endlich meine ersten beiden Haeute gesoftet, welche sehr gut geworden sind und die naechsten warten schon im Eiseiwasser. Das wird zwar fuer kurze Zeit unangenehm kalt, aber man gewoehnt sich ja an fast alles. Wenn nicht gecraftet wird, wird geredet. So rief ich den Clan zusammen um ueber mich zu reden, wie es mir geht und was ich so fuehle. Einige Moons hab ich gewartet, aber wer in der Wildnis ueberleben will und nicht frueher nach Hause fahren will, fragt den Clan um Hilfe. Gesagt, getan, geheilt… Was vom Clan kam war ueberwaeltigend, da es nicht nur mir so gegangen ist, viele im Clan hatten Probleme sich zu motivieren, es war eine Erleichterung fuer den ganzen Clan. Seit meinem Sharing wurden 4 weitere Sharing einberufen von Clanmitgliedern. Wir sind zusammen gewachsen und eine Familie geworden, hat zwar 10 Moons gedauert, aber manche Sachen benoetigen eben diese Zeit, was sehr wichtig und verdammt schoen ist.

Was ebenfalls sehr schoen ist, um es zu untertreiben, wenn man nach 42 Suns die erste Frucht wieder ist. 42 Suns habe ich ohne jeglichen Zucker gelebt, dann die erste Clementine in den Mund zu fuehren, ist ein atemberaubendes Gefuehl. Zuerst hat sich das Gesicht gewehrt, so hatte es den Anschein, wie es sich verzogen hat, aber dann kam der Geschmack des Zuckers, ueberwaeltigend kann ich einfach nur sagen, die beste Clementine meines Lebens!!

Mit Zucker und Lebensfreude und Abenteuerlust sind 12 wackere Clanmitglieder ausgezogen um Woelfe zu finden, oder zumindest dessen Spuren. Mit ein klein wenig Essen beladen, sind wir losmarschiert, einfach mal in eine Richtung und schauen was passiert. Am ersten Tag keine Spuren, so liefen Scouts aus in alle Richtungen um Spuren zu finden, als einer dieser Scouts lief ich bis zur Dunkelheit, vergebens was zumindest Wolfsspuren anbelangt. Ich konnte mich jedoch an einem Porkypine erfreuen, welches im Baum sass und an einen wunderschoenen Ahornwald. Muede aber durstig nach Wolfsspuren gings in den Schlafsack unter freiem Himmel, wunderschoen. Der 2. Tag verlief aehnlich wie der erste, den ganzen Tag marschiert, wieder in eine beliebige Richtung. Wieder keine Spuren, also wieder Scouts gefragt. Dieses mal war allersings etwas anders, als ich zurueck ins Camp kam hoerte ich die Nachricht, wir haben Spuren gefunden, einen Sun alt. Wieder unter klarem Himmel genaechtigt und gewundert, wie warm es doch sein kann, wenn man sich daran gewoehnt. Am naechsten Tag also den Woelfen gefolgt. Die ahnten wohl, das wir sie tracken wollen und spielten Katz und Maus mit uns. Sie liefen in ein dichtes Waldstueck und dort liefen sie Kreise. Ich wollte das Spiel nicht mehr mitspielen und hab mich auf den Rueckweg ins Camp gemacht, war ein langer Marsch, meine Beine waren es nicht mehr gewohnt, 3 Suns lang rumzulaufen. Am naechsten Tag, als der Rest zurueck kam, hoerte ich dann, die Woelfe liefen dort die ganze Zeit und spielten weiter Kreisspiele. Es war ein Abenteuer und eine Art Jagd die Spuren zu finden, allerdings als die Spuren gefunden war, verflog das Abenteuer.

Dafuer folgt bald ein neues… das Ende naht und somit sind schon die ersten Gedanken erlaubt, was passiert nach dem Jahr, vor allem die letzten 3 Wochen, in denen ich mich in den USA aufhalten darf. Kalifornien ruft und ich folge dem Ruf. Leider kann ich Mala Spotted Eagle in Oregon nicht besuchen, da er sich zu dieser Zeit in Europa aufhaelt, aber ich werde andere Leute kennen lernen und treffen.

Dies ist es also, das letzte Mail bevor mein Jahr in der Wildnis endet. Beim naechsten mal bin ich ‘frei’ oder besser gesagt, die Freiheit endet und ich muss wieder schauen wie ich in der Zivilisation ueberleben soll. Zum Glueck hat man Freunde zu Hause, die auf einem warten und ein neues Abenteuer beginnt.

Bis bald und Meegwetch fuers lesen.
In Liebe
Ma’iingan

Leben im Gefrierschrank

Aaniin!

Es ist mal wieder soweit, es ist schon wieder ein Moon vergangen und was fuer einer. Aber eines nach dem anderen…

Nachdem ich das letzte mal geschrieben habe, ist es kalt geworden, wir hatten innerhalb von 21 Tagen kein einziges mal ueber Null, die Werte lagen zwischen 0 und -21 Grad Celsius. Nun hatten wir einen Quartermoon angenehme Temperaturen, wir bekamen fast Fruehlingsgefuehle, das Thermometer stieg bis auf 7 Grad Celsius!!! Wenn man allerdings der Wettervorhersage trauen darf, ist es nun endgueltig Schluss mit lustig, uns erwartet nun endlich der Winter, auf den wir mehr oder weniger warten. Temperaturen bis -25 Grad sind angesagt, Plusgrade fehlanzeige und das bis mitte Februar hinein, aber mal schauen, es kann sich ja jederzeit aendern.

Aufgrund der kalten Tage, sind die Seen um uns herum komplett zugefroren, dadurch eroeffnen sich neue Welten fuer uns, kommen wir nun schneller ueberall hin, brauchen nur uebers Eis laufen. Das Eis ist stellenweise Unterarm-lang dick, somit sehr sicher.

In einem Meeting kurz nach dem letzten Deadmoon Visit hat Tamarack uns empfohlen wenn wir Nachts in unser Lager, zur Erinnerung, das Lager indem ich schlafe ist einen halben Eggroast entferrnt, nachts im Dunklen dann doch half-a-mealtime, gehen, sollen wir den Weg alleine gehen. Ist ein komisches Gefuehl anfangs alleine im Wald herum zu laufen, jedesmal wenn ich losmarschiert bin kamen mir zig Horrorfilme in den Sinn, das war jedesmal einen Spass, allerdings nach ein paar Nut-cracks war das Gefuehl verschwunden und ich hab die Sparziergaenge genossen. Teilweise war es stockdunkel, da war die Angst sich zu verlaufen am Groessten. Aber ich hab es jedes mal geschafft. 😉 Da der Weg allerdings schon ausgetreten war, es kein Neuschnee dazu kam, war der Boden bald spiegelglatt. Somit hatten wir gleich die naechste Herausforderung, der wir uns auch gerne stellten und keiner musste mit einem gebrochenen Fuss ins Krankenhaus.

In einem anderen Meeting haben wir Guardians uns ausgemacht, das jeder in der Frueh Feuer machen muss, bevor wir essen. Sollte es einer mal nicht schafffen, muessen alle 12 Guardians einen Tag fasten. Bis heute haelt es an und noch mussten wir nicht fasten, denn Helfen duerfen wir uns gegenseitig. Wenn wir schon beim essen sind. Bereits vor dem letzten Deadmoon haben einige von uns angefangen eine bestimmte Diaet zu essen. Die sogenannte Hyperglycemia-Diet. Das bedeutet keine Fruechte und Starches mehr, also keinen Zucker. Dabei soll festgestellt werden, ob wir an Ueberzucker leiden. Wir sollten dabei auf bestimmte Veraenderungen achten. Bis heute 40 Tage mittlerweile bin ich noch immer auf dieser Diaet, einer der wenigen, die meisten essen bereits wieder Zucker. Ich leider wohl nicht an Ueberzuckerung, denn bei mir hat sich nichts geaendert, allerdings ist es eine gute Moeglichkeit Disziplin zu lernen. Wir haben schon nicht wirklich eine Vielfalt zum essen, dann noch auf etwas zu verzichten ist doppelt schwer. Ich weiss jedoch, dass ich daraus profitier, Koerper und Geist werden gestaerkt. Zum essen bleibt mir Nuesse, Greens, Fleisch und Fett. Wie lange ich diese Diaet noch beibehalten weiss ich nicht, spiele aber schon mit dem Gedanken, bald wieder der normalen Diaet beizutreten.

Aufgrund der langanhaltenden Kaelte und weil es einfach Zeit wurde, sind wir im letzten Moon auch endlich ins Winterquartier gezogen. Viel hat sich fuer mich nicht geandert, schlafe weiterhin in einem Lean-to. Einzig ich muss nicht mehr soweit gehen, bevor ich in meinen Schlafsack huepfen kann. Da ich allerdings die Nachtsparziergaenge lieben gelernt habe, gehe ich trotzdem jeden Abend vorm Schlafen gehen eine Runde, das hilft mir auch warm zu werden, bevor ich mich niederlege. Nachts haben wir ja doch immer Minusgrade, auch waehrend der kurzen Fruehlingszeit.

Leider hat uns wieder ein Clanmitglieder verlassen und mit ihr, ihr Sohn, somit sind wir noch 24 Leute, von anfangs 42. Eine weitere Mutter mit ihren Sohn, wollte gehen, ist allerdings zu uns zurueck gekehrt, in dem Fall konnten wir sie uberreden zu bleiben. Es sind ja bloss nur noch 2 1/2 Moons, die werden wohl so schnell vergehen, das wir es gar nicht richtig mitbekommen, da die Tage noch sehr kurz sind, schlafen wir sehr viel. Das wunderbare am Schlafen sind die Traeume, nun haben wir auch endlich mit Traumdeutung angefangen. Jeder hat einen Body, in der Frueh werden die Traeume gegenseitig erzaehlt und nacherzaehlt. Dabei achten wir auf die Gefuehle die wir im Traum haben. Fuer mich eine wunderbare Sache, Traeume und Schlafe ich ja so gerne.

Das wars dann heute schon wieder. Es sind noch tausend andere Sachen passiert, aber wenn ich alles ins Mail schreibe, hab ich ja keine Geschichten mehr zu erzaehlen, wenn ich nach Hause komme.

Ich wuensche euch alles Liebe
Bicani Nagamo Ma’iingan (Stiller singender Wolf)

PS: Ich habe einen Zusatz in meinen Namen bekommen, da ich das singen “entdeckt” habe! 😉

Umzug ins Wintercamp

Aaniin,
nun ist es also mal wieder soweit. Wieder ist ein Moon vergangen und ich sitze in einem Haus und nutze Strom, was jedesmal ein komisches Gefuehl ist.
Die Zeit ist sehr schnell vergangen, sind die Tage ja mittlerweile recht kurz und die Naechte sehr lang. Unter tags sind wir beschaefigt, um das Tageslicht zu nutzen. So haben wir nun endlich die Arbeiten an den Winterlodges beendet und sind auch ins Wintercamp gezogen, schlafen tun wir allerdings noch immer in den Sommerlodges, was sich nun aber auch in den naechsten Tagen bald aendert. Der Schnee ist gekommen und wieder gegangen und nun wieder gekommen und diesmal bleibt er mit Sicherheit auch, bis in den Fruehling. Kalt genug ist es und bleibt es. Heute morgen als ich ins Camp gekommen bin und nachgeschaut habe, wie warm es denn ist, mir war zumindest warm nach dem Marsch, hatten wir -11 Grad Celsius, ich dachte -4 hoechstens, so kann man sich taeuschen. Wir haben uns sicher schon alle an das Wetter gewoehnt und angepasst, somit fuehlt es sich nicht so kalt an. Damit wir es auch schoen warm im Wald haben, gehen wir taeglich Feuerholz sammeln, jetzt wo der Schnee am Boden liegt, ist es nicht immer so einfach, aber bisher klappt auch das wunderbar. Da wir viel Holz brauchen, gehen wir immer weiter in die Wildnis um Holz zu suchen, dabei lass ich es mir nicht nehmen und gehe jedes mal auf Tracking-Tour. So hab ich schon Hirsche, Bobcats, Baeren und Kojoten getrackt und verfolgt. Jede Spur die ich finde, wird genau ueberprueft und studiert, damit ich moeglichst viel daraus lernen kann. Habe schon Schlafplaetze div. Tiere gefunden und Gewohnheiten. Schnee ist einfach herrlich, wir koennen soviel lernen. Vor ca. 2 Wochen hab ich einen Tierkadaver, einen halben Hirsch, gefunden. diesen besuche ich jeden Tag. Seit 3 Tagen liegt er auch jedesmal an einer anderen Stelle, so wollte ich wissen, wer den Kadaver jedesmal verschleppt und ich ihn taeglich neu suchen muss. Ich hatte schon einen verdacht, hab ich doch Spuren eines Bobcats vor ein paar Tage gefunden, nur waren sie nie eindeutig. Vor 2 suns war es dann endlich soweit, eine eindeutige Spur gefunden. Bin schon gespannt, wenn ich morgen zurueck komme, ob der Kadaver wieder verschleppt wurde. Es ist herrlich zu lernen, was der Unterschied zwischen Wiesel und Eichhoernchen ist, alleine an der Spur. Auch die Vogelspuren und zu lernen welche Spuar welchem Vogel gehoert. So habe ich immer wieder Rabenspuren um den Kadaver gesehen. Den Kadaver habe ich auch nur entdeckt, weil ein Bussard aufgestiegen ist, keine 2 Armlaengen von mir entferrnt. Ein super atemberaubendes Gefuehl, einem Bussard so nahe zu sein.
Seit mehreren Tagen haben wir also Minusgrade, somit ist der See komplett zugefroren. Ist jedesmal ein Spass wenn wir uns waschen wollen, den See mit einem Tomahawk freizuklopfen. Schnell raus aus den Klamotten, waschen und wieder anziehen, ist jedesmal aufs neue ein Abenteuer ;-).
Die Zeit ist herrlich, die Stille und Ruhe des Winters, alleine durch die Waelder streifen und nun sind die Naechte auch nicht mehr so dunkel aufgrund des Schnees. Ich geniesse jeden Tag und freue mich auf jeden neuen. Es wurden auch schon Wolfspuren in unserer Naehe gefunden, das ist mein naechstes Projekt, auf den Spuren der Woelfe.
Heute habe ich auch die gute Nachricht erhalten, mein Visa wurde verlaengert, somit kann ich bis zum Ende bleiben und komme am 27. April zurueck. Ich lande in Wien um 08:35 Uhr. Wer also nichts vorhat ;-).
Ist zwar noch im Aufbau, aber wer nur einmal im Monat Zeit dafuer hat, bekommt manche Sachen nicht schneller hin. Schaut sie euch einfach mal an, an dieser Stelle auch noch mal vielen dank, an meine Schwester, die mir dabei hilft. www.teachingfeather.eu
Bis in einem Moon
lg
Ma’iingan